Feb 04 2008
AZ Artikel Goppel
hier nochmal in “reinform”
AZ 01.02.2008 Seite 37
Gebühren, Exzellenz und Herrenrasse
Studenten Aktionsbündnis „Contra“ fetzt sich mit Minister Goppel
1968 hätten sie eine solche Diskussion
zwischen den Sitzreihen eines
Hörsaals geführt. Vierzig Jahre später
darf es das Fugger-Zimmer im
Hotel Drei Mohren sein, wo sich das
„Aktionsbündnis für freie Bildung –
Contra“ mit Wissenschaftsminister
Thomas Goppel trifft. Hier sollte
gestern die Wortmeldung möglich
sein, die bei der Einweihungsfeier
des FH-Neubaus mit Polizeigewalt
unterbunden wurde.
Es ging um die Studiengebühren,
die „Contra“ rundweg ablehnt, weil
diese Abgabe die soziale Auslese an
bayerischen Hochschulen verschärfe
und gegen die Chancengleichheit
verstoße. Dabei sei offensichtlich
Geld genug vorhanden, wie man an
der Förderung der Elitestudiengänge
sehe, kritisierte Contra. „Mit
Studiengebühren ziehen Sie sich aus
der Verantwortung!“, warf das
Bündnis dem Minister vor.
Im Klang radikaler 68er-Thesen
fuhren die neun Contra-Studenten
auch schärferes Geschütz auf: Die
Hochschule werde „Marktimperativen“
ausgesetzt, durch verkürzte
Bachelorabschlüsse würden die
meisten Studenten zu Verlierern;
ihre Meldungen gipfelten in dem
Vorwurf, die bayerische Bildungspolitik
ziele unter dem Stichwort
Exzellenzförderung darauf ab, eine
„Herrenrasse“ heranzuzüchten.
Goppel schwankte zwischen cooler
Professionalität („Wir haben
Ihre Eingangspamphlete einzuatmen“)
und beleidigter Drohung, das
Gespräch sofort abzubrechen. Die
Studienbeiträge definierte er als einen
Kredit auf die Zukunft. Er belaste
eigentlich nicht die Eltern, sondern
könne in gehobener beruflicher
Position (dank des Studiums) später
zurückgezahlt werden.
Anstatt eine Benachteiligung von
Migrantenkindern zu beklagen, forderte
der Minister von ihnen aktive
Integrationsleistungen. Richtschnur
seiner Politik sei immer der Mensch
– was ihm Contra als „Idiotie der
Ideologielosigkeit“ auslegte. (loi)
